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Tränengas auf Schalke
Tränengas auf Schalke
Smog: Assauer nebelt Schalke ein

In Gelsenkirchen ist dieser Tage wieder einmal verkehrte Welt angesagt. Die Schalker stehen nach einem gelungen Saisonstart auf Platz vier der Tabelle. Trotzdem herrscht Frust bei Fans und Verantwortlichen. Die Mannschaft ist verunsichert, Spieler werden ausgepfiffen und Horrormeldungen über die Clubfinanzen machen die Runde. sportal.de macht sich auf die Suche nach den Gründen für die negative Stimmung bei den Knappen.

Bei seinem Amtsantritt rieb sich Felix Magath verwundert die Augen. Er beklagte: "die sehr negative Stimmung, die rund um den ganzen Klub herrscht. Es ist eine derart skeptische Atmosphäre, wie ich sie bei noch keinem anderen Klub erlebt habe. Man merkt einfach, dass die vergangenen Jahre für eine große Verunsicherung im Verein gesorgt haben. Das belastet die Arbeit und schränkt die Leistungsfähigkeit des Teams ein."

Die treusten Fans der Liga oder Pfeifenköppe?

In der Selbstwahrnehmung der Schalke-Fans sind sie die treuesten Anhänger der Liga. Nicht ganz zu Unrecht, betrachtet man die Vergangenheit. Auch zu Zweitligazeiten (zuletzt 1988-1991) strömten die Fans ins Stadion (der Zuschauerschnitt lag bei über 30.000), strichen ihr Haus blau-weiß an und schliefen in Schalke-Bettwäsche, als das Wort Merchandising noch allein dem englischen Sprachgebrauch anheim lag.

In letzter Zeit allerdings, pfiff sich das Schalker Publikum zu dem Ruf, der eigenen Mannschaft die Unterstützung zu versagen und einzelne Spieler aufs Korn zu nehmen. Kevin Kuranyi war schon mehrmals der Sündenbock der Fans, auch Halil Altintop oder Orlando Engelaar traf es schon.

Im Spiel gegen Freiburg wurde jeder Ballkontakt von Ivan Rakitic (nach zuvor nur einer unglücklichen Aktion des Kroaten) mit einem Raunen der Unzufriedenheit bedacht. Später im Spiel erwischte es dann Rafinha, der von Teilen des Publikums ausgepfiffen wurde. Die „kleine Zaubermaus" wurde per „Stiller Post" denunziert.

Moderne Kommunikation trifft auf „Stille Post"

Eine kuriose Episode, die sich da parallel zur Bundesligapartie gegen den SC Freiburg abspielte. Die Meldung, dass Rafinha zu den Bayern wechseln soll, wurde „bewusst (...) nicht vor dem Schalker Spiel, sondern erst während dessen Verlaufs" veröffentlicht - so der kicker in einer Stellungnahme. Womit man aber seitens des Blattes nicht gerechnet hatte, waren die kürzeren Wege der heutigen Kommunikationsmedien. Per Handy, WAP und Iphone surften wohl einige Zuschauer während des Spiels mal eben auf kicker-online und erfuhren die Nachricht.

Danach bediente sich das Publikum einer älteren Methode der Nachrichtenübermittlung: Der „Stillen Post!" Das Rafinha-Gerücht machte schnell die Arena-Runde. Am Ende blieb auch dem Braslilianer die Nachricht nicht verborgen. Was bei ihm ankam, waren allerdings nur noch die schrillen Laute der Unmutsbekundung - er wurde bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Felix Magath schickte den sensiblen Brasilianer einige Tage später in den Heimaturlaub, um die Turbulenzen zu verarbeiten.

Pfiffe gab es schon immer - Smog nein!

Schalke ist mit 78.401 Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein Deutschlands. Ein Club der von seinen Fans mit nahezu existentieller Leidenschaft begleitet wird. Diese Leidenschaft prägte sich bei den Fans schon immer ins Überschwängliche, auf positiver, wie negativer Seite aus. Auch früher schon hatten Spieler mit den ins negative Extrem gehenden Widerhall der Fan-Gemeinde zu kämpfen. Nico van Kerckhoven oder Victor Agali wurden seinerzeit auch mit Pfiffen bedacht, wenn sie zu wenig der ersehnten Schalker Tugenden, wie Kampf und Einsatz, zeigten.

Der Status Quo auf Schalke ist aber heute ein anderer als damals. Die Pfiffe, die Stimmung gegen Kuranyi, Altintop und andere schärfer, so möchte man meinen. Und auch die Aussage von Felix Magath zielte nicht nur auf Teile der Fan-Gemeinschaft. Über Schalke hat sich eine giftige Smogwolke niedergelassen. Umfeld, Fans, Mannschaft - alle fragen sich woher das miese Klima herrührt.

Woher die schlechte Stimmung auf Schalke?

Zum einen geht es um die neuzeitlich extrem gestiegenen Ansprüche der Schalker Fans. Immer wieder wedelten sie mit der Papp-Meisterschale, oft kurz davor, überquerten die Knappen die Ziellinie aber 2000/01, 2004/05 und zuletzt 2006/07 „nur" als zweiter Sieger. Auch Philipp Selldorf (Süddeutsche Zeitung), intimer Kenner der Szene, sieht darin das Kernproblem.

Große Leidenschaft - große Enttäuschung

„Es sind wohl diese unerfüllten Erwartungen", beschreibt er das Schalker Seelenleben. „Auf Schalke herrscht viel Leidenschaft und dann ist man halt schnell auch stark enttäuscht", so Selldorf. Er deutet aber auch einen anderen Grund an, der eine Rolle spielen könnte. „Auf Schalke ist es ähnlich wie bei den Bayern. Jeder kleine Sachverhalt wird zur Riesengeschichte aufgeblasen."

Schaut man sich das Thema Presse an, kommt man also zum zweiten möglichen Grund für die negative Stimmung auf und im Umfeld Schalke. Seit der Demission von Manager Rudi Assauer haben die Schalker Verantwortlichen und mit ihnen ganz Schalke mit einem extremen Gegenwind der Boulevard-Presse zu kämpfen.

Assauer macht Politik

In penetranter Regelmäßigkeit haut Rudi Assauer auf Schalke ein. Die Bild-Zeitung greift diese Aussagen mit Vorliebe auf und machte sie zur großen Geschichte. Über den Einfluss dieser Zeitung wird oft gestritten, aber Kenner der Szene sind sich sicher, dass sie sogar Einfluss auf Leute hat, die sie gar nicht lesen. Der Grund: „Die Bild ist das Leitmedium im Ruhrgebiet.", so Philipp Selldorf. Und nicht nur dort. Das bedeutet also, wenn die Bildzeitung eine Story groß 'rausbringt, springen viele andere Zeitungen auf und so verbreitet sich die Story auch unter den Lesern anderer Blätter.

Da wundert es nicht, dass sich die schlechte Stimmung, die Rudi Assauers über seine Spezis bei der Bild (Benno Weber, Peter Wenzel und Christian Kitsch) verbreitet, auch irgendwann mal über dem Berger Feld hängen bleibt. Mit Sprüchen wie zuletzt: „Es ist nicht schön zusehen zu müssen, wie es mit einem Verein, den Du mit nach oben gebracht hast, stetig bergab geht" oder auch: „im Moment sieht es eher düster als königsblau aus." Zitate dieser Färbung: „Schalke hängt in einem Loch, das immer größer wird. Es tut körperlich weh, Schalke zu sehen.", gibt es en masse und sie werden alle gedruckt.

Presseboykott der Spieler

Dass dieser Gegenwind schon länger weht, zeigt die Retrospektive. Im November 2006 wurde die negative Darstellung der Presse sogar den Spielern zu einseitig. "Ihr schreibt doch ohnehin, was ihr wollt", zischte Mittelfeldspieler Zlatan Bajramovic angefressen und der eigentlich so friedliebende Kapitän Marcelo Bordon rief einen Presseboykott aus.

Jan Christian Müller und Andreas Morbach (Frankfurter Rundschau) betrachteten damals den Schalker-Presseboykott etwas genauer und kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. „Als Speerspitze der respektlosen Berichterstattung gilt die Bild-Zeitung, deren fürs Revier verantwortlicher Sportchef Benno Weber sich zu dem pikanten Thema ebenso wenig öffentlich äußern will wie der Berichterstatter vor Ort, Peter Wenzel. Weber (...) gilt als Spezi des Ex-Managers Rudi Assauer und kann dem Vernehmen nach mit dem wenig Bild-affinen Assauer-Nachfolger Andreas Müller ebenso wenig anfangen wie mit dem ewig lächelnden Mirko Slomka."

Müllers Feinde - Assauers Freunde

Slomka sah damals in den Medien „bösartige Menschen am Werk, die uns auseinander treiben wollen". Heute will er auf Anfrage von sportal.de lieber nichts mehr zu dem Thema Medien und Schalke sagen. Andi Müllers Feinde, waren meist die Freunde seines Vorgängers Rudi Assauer und sie arbeiteten sich bis zu seiner Kündigung an ihm ab. So forderte die Bild in einer Kolumne ihres stellvertretenden Chefredakteurs Draxler den Schalker Aufsichtsratschef Clemens Tönnies dazu auf, im "Sauhaufen" aufzuräumen. Schalke fehle „seit der ehemalige Manager Rudi Assauer sein Büro räumen musste", das Gesicht und die Integrations-Figur, außerdem fehle auch „ein gutes Stück Sachverstand."

Die Schuhe zu groß - die Gegner zu mächtig?

Für Andreas Müller seien „die Schuhe, die man ihm hingestellt hat, ein paar Nummern zu groß." Von Clemens Tönnies forderte der einstige Sportchef Alfred Draxler weiter die Demission Müllers, "heute besser als morgen". Meinungen die man im einzelnen sicherlich vertreten - und auch publizieren kann. Auffällig nur, dass es ein schier unerschöpflichen Pool an solch kritischen, ätzenden und negativen Aussagen aus dieser Richtung über Schalke gibt, was Einseitigkeit und Absichtlichkeit nahe legt.

Hoeneß sprang Müller zur Seite

Das ganze ging so weit, dass sogar Uli Hoeneß sich genötigt sah, Assauer-Nachfolger Andi Müller öffentlich zur Seite zuspringen. „(...) lass Dich nicht unterkriegen. Schon gar nicht von einer Zeitung, bei der die halbe Sportredaktion mit Rudi Assauer im Bett liegt.", versuchte er im DSF-Doppelpass dem zugeschalteten Müller Mut zu machen.

Vergeblich, denn Müller wurde nach schlechter Einkaufspolitik und enttäuschender Liga-Performance (Schalke damals Achter) im März 2009 gefeuert. Aber Müllers Arbeit war nicht nur schlecht, wie es Teile der Presse glauben machen wollte. Kaum war Müller entlassen, polterte Assauer weiter: „Wenn man ehrlich ist, muss man sagen: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Sie verstehen nichts von Fußball. Fachliche Kompetenz ist nicht vorhanden.", stänkerte Assauer diesmal in der Recklinghäuser Zeitung, die Bild blähte die Aussagen dankenswerterweise überregional.auf.

Müller weg, Rutten weg, Schnusenberg geht - was will „Stumpen-Rudi" noch?

Rudi Assauers jüngste Attacke zielte auf die angespannten Clubfinanzen. Er gab zuletzt bekannt, die Schalker würden Gehälter nicht mehr pünktlich zahlen, zudem schulde der Verein ihm seit Jahren noch Geld. So wird er die Presse weiter mit mehr oder weniger wahren Behauptungen füttern. Hauptsache es scheppert auf Schalke, bis er wieder an der Macht ist, oder zumindest bis die Verantwortlichen seiner unrühmlichen Ausbootung - Peter Peters (Geschäftsführer) und Clemens Tönnies (Vorsitzender des Aufsichtsrat) - entmachtet sind. Josef Schnusenberg (bald nur noch repräsentative Aufgaben) und Andi Müller hat es schon erwischt.

Auf den Punkt: Erwartungshaltung und negative Presse

Eine enorm leidenschaftliche Fan-Gemeinde wurde in den letzten Jahren mit gutem bis sehr gutem Abschneiden in der Liga verwöhnt. Einen Schritt zurück zu machen, ist da schwer. Die Nicht-Erfüllung der Erwartungshaltung führt zu Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit wird dann im Stadion entladen. Des Weiteren betätigen sich einflussreiche, ehemalige Clubgrößen wie Rudi Assauer als Katalysator. Durch seinen guten Draht zum Boulevard und seinen markigen Sprüchen gelingt es Assauer das Bild ein zu trüben - selbst dann, wenn die Mannschaft erfolgreich spielt.

Wann wird die Zukunft wieder königsblau?

Wie geht es nun weiter auf Schalke? Die Verantwortlichen haben einen großen Schnitt gemacht. Müller, Rutten und zuletzt die Trainer-Troika mussten gehen. Dafür wurde Felix Magath installiert. Ein cleverer Schachzug. Den Meister-Trainer umgibt eine Aura des Erfolges. 

Ob seine Strahlkraft allerdings ausreicht, um die düsteren Wolke zu vertreiben, bleibt fraglich und hängt, wie immer im Fußball, auch von den Erfolgen ab. Solange Assauer über die Bild weiter Tränengas schießt, bleibt die Gefahr, dass die Schalker Fans gar nicht merken, wie erfolgreich ihre Mannschaft eigentlich spielt.  

Michel Massing

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