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Bundesliga-Check: Hertha BSC Berlin
Bundesliga-Check: Hertha BSC Berlin
Ein mutiger Mann: Patrick Ebert erklärt sich den Fans

Der Mann muss Berufsoptimist sein. Kurz bevor Friedhelm Funkel den Hertha-Flieger in Richtung Trainingslager auf Mallorca bestieg, sagte er noch, dass er in der Bundesliga schon öfter Geschichte geschrieben hat. Es tut uns leid, Herr Funkel. Diesmal wird es nichts. sportal.de blickt auf eine beispiellose Hinrunde (6 Punkte, 13:39 Tore) der Berliner zurück.

Falschester Satz aus dem sportal.de-Check im Sommer
Wir zitieren voller Scham: "Doch das Projekt Wichniarek, der selbst 300.000 Euro zu seiner Ablöse beisteuerte, könnte gut ausgehen. Der Pole will es in Berlin noch einmal allen zeigen, und wer 13 Tore für Bielefeld schießt, muss Qualitäten haben."

Bester Moment
Es war ein kluger Plan: Vor dem entscheidenden Spiel in der Europa League stellten sich die Hertha-Profis Arne Friedrich, Florian Kringe, Steve von Bergen und Raffael vor dem Hauptbahnhof auf und verteilten selbstgebackene Waffeln unter die Leute. Die Fans revanchierten sich, kamen ins Stadion und trieben die Alte Dame zu einem 1:0-Erfolg über Sporting Lissabon. Damit war das Weiterkommen gesichert und die Hertha durfte in der Europa League überwintern.

Schlechtester Moment
Es erinnerte an eine Slapstick-Nummer auf höchstem Niveau, trieb aber gleichzeitig noch dem letzten treuen Hertha-Fan die Tränen in den Augen. 8. Spieltag, Heimspiel gegen Hamburger SV - es läuft die 38. Spielminute. Der Ersatztorwart vom Ersatztorwart, Sascha Burchert, klärt für seine unfähigen Vorderleute per Kopf in halsbrecherischer Manier vor dem Strafraum. Der Ball kommt zu David Jarolim und der Tscheche netzt mit dem gefühlt weitesten Schuss seiner Karriere ein.

Zwei Minuten später. Wieder muss Burchert raus, wieder klärt er gekonnt per Kopf, wieder kommt der Ball zu einem HSV-Profi und wieder landet das Spielgerät im leeren Hertha-Tor. 1:3, das Spiel ist verloren. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass das Führungstor der Hamburger aus einem Eigentor von Kaka resultierte.

Tor der Hinrunde
Wir haben lange gesucht und sind doch fündig geworden. Der sonst so scheu wirkende Stürmer Adrian Ramos aus Kolumbien schraubte sich in der Nachspielzeit gegen den Herbstmeister aus Leverkusen im Strafraum am höchsten, erzielte so den verdienten 2:2-Ausgleichstreffer und hauchte somit den Herthanern etwas Leben ein. Kaum zu glauben: In den letzten vier Spielen traf er vier Mal.

Gewinner
Der Gewinner kommt aus der Nachbarschaft, spielt noch in der zweiten Liga und heißt Union Berlin. Beim Aufsteiger kann es gar nicht besser laufen. Das Stadion wurde nach imposanter Eigenarbeit endlich eingeweiht, in der Tabelle steht man auf einen hervorragenden 7. Platz mit Kontakt nach oben und jeden Montag amüsiert man sich köstlich über die Leistungen vom großen Stadtrivalen.

Verlierer
Keine Frage. Verlierer gibt es in diesen Zeiten in Berlin viele. Einer sticht dabei aber heraus. Einer der der als Kapitän, Nationalspieler und gut bezahlter Angestellter eigentlich die Führungsrolle einnehmen wollte und auch sollte. Doch Arne Friedrich verspielte in dieser Halbserie bei Fans und auch im Team kontinuierlich seinen Kredit.

Erst die undurchsichtige Rolle bei der Entlassung von Trainer Lucien Favre, dann die abfälligen Äußerungen über die Mannschaftskollegen, hier im besonderen der Fall Patrick Ebert und zuletzt noch der Flirt mit seinem Golf-Freund Dieter Hoeneß, der bekannterweise in Wolfsburg jetzt mehr Geld zur Verfügung hat. Zugegeben: Friedrich musste oft als Prügelknabe herhalten. Aber in vielen Fällen wären schnelle und klare Statements eine große Hilfe gewesen.

Weiterführende Links:

Buhmann
Dieter Hoeneß, die Schiedsrichter - die Liste ist sicherlich lang. Wir dagegen stellen den Autokonzern Audi an den Pranger. Unerhört lange musste Adrian Ramos, der einzige Stürmer der in Berlin Torgefahr ausstrahlt, auf seinen schicken Dienstwagen warten. Jeden Morgen musste sich der lange Schlaks in einen Renault Clio quetschen.

Darum wird alles besser (Winteraktivitäten)
Irgendwann in der so erbärmlichen Hinrunde wurde Trainer Friedhelm Funkel einmal gefragt, warum er nicht in der Abwehr gewechselt hätte. Herthas Trainer antwortete mit einer Gegenfrage: Wen er denn hätte bringen sollen? "Die sind doch alle nur einsvierzig."

Es wurde gehandelt. Der Tscheche Roman Hubnik (1.92m) bekam einen Vertrag. "Er ist groß und kopfballstark", sagte Funkel. "Das ist das, was uns gefehlt hat." Gefehlt hat natürlich die Torgefährlichkeit und ein gutes, ruhiges Spiel im Mittelfeld. Deshalb wurden aus Leverkusen der Ex-Bundesliga-Torjäger Theofanis Gekas und aus Gelsenkirchen Levan Kobiashvili geholt, die bei ihrem Vereinen keine Verwendung mehr fanden. Dennoch - es kann nur besser werden.

Prognose
Mit der vorgegebenen Philosophie "Nie zurück nur nach vorne schauen" wollen die Hertha-Profis mit drei Siegen über Hannover, Bochum und Gladbach noch das Wunder möglich machen. Wird leider nichts. Die Siegesserie wird ausbleiben, die Konkurrenz wird zur gleichen Zeit Leichenfledderei im Hertha-Kader betreiben und den Verantwortlichen ist es zu raten, es zuzulassen und schnell für Liga zwei zu planen.

Tom Broocks