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Bundesliga-Check: 1. FC Nürnberg
Bundesliga-Check: 1. FC Nürnberg
Michael Oenning musste seinen Hut nehmen

Der 1. FC Nürnberg ist trotz großer Hoffnungen auf dem vorletzten Tabellenplatz nach der Hinrunde gelandet. Das Konzept, auf Nachwuchsspieler zu bauen, hat Trainer Michael Oenning ins Abseits katapultiert. Ausgerechnet zwei Talente der Bayern sollen die Franken nun aber vor dem Abstieg retten. sportal.de klärt auf und blickt zurück.

Falschester Satz aus dem sportal.de-Check im Sommer
"Gemessen an den Leistungen im Unterhaus ist die erste Garde der Club-Defensive in jedem Fall erstligareif", analysierten wir zu Saisonbeginn mit der kleinen Einschränkung der fehlenden Erfahrung von Dennis Diekmeier und Co. Dies kann man keinesfalls so stehen lassen. Teilweise desaströs präsentierten sich die Franken insbesondere auswärts. Kapitän Andreas Wolf blieb sehr viel schuldig, war selten in der Lage, einmal für Halt und Organisation zu sorgen, der für die jungen Kollegen enorm wichtig wäre. Hinzu kommt, dass die Verteidigung bei Standardsituationen auch völlig harmlos in des Gegners Strafraum ist. Kein einziges Tor konnte ein Deckungsspieler der Nürnberger erzielen. Da auch noch Havard Nordveit vor der Abwehr versagte, ging das Team nicht nur in den letzten vier Spielen vor der Winterpause, als man bei 0:12 Toren vier Mal in Folge verlor, meist baden.

Bester Moment
Gute Augenblicke waren bei dieser minimalen Ausbeute natürlich rar gesät. Als man in einem sogenannten Sechs-Punkte-Spiel Mitte Oktober die Hertha mit 3:0 zurück an die Spree schoss, war man aber in Nürnberg noch optimistisch, der Saison den richtigen Dreh geben zu können. Albert Bunjaku glänzte mit zwei Treffern, dabei wurde er hervorragend aus dem Mittelfeld von Mike Frantz unterstützt.

Schlechtester Moment
Die letzten drei Spiele waren allesamt miserabel. Die Krönung war aber der 0:3-Untergang im Schnee zu Köln, als man wehrlos dem offensivschwächsten Team der Liga drei Tore gestattete und auch ein halbes Dutzend hätte kassieren können. Die folgende Entlassung des Michael Oenning war die logische Konsequenz.

Gewinner
Albert Bunjaku erzielte in seiner Premieren-Saison in Deutschlands höchster Spielklasse sechs Tore und war damit für die Hälfte aller Tore verantwortlich. Das ist ohne Frage eine stolze Bilanz für den Schweizer. Übrigens erzielte kein anderer seiner aktuellen Mannschaftskollegen mehr als einen Treffer.

Verlierer
Auch für diese Kategorie bietet sich ein Offensivspieler an. Christian Eigler war nach unserer Meinung der schlechteste Spieler des Clubs in der Hinrunde. Sein Notenschnitt von 4,29 spricht für sich. Weshalb Michael Oenning ihm in 14 Spielen das Vertrauen schenkte, ist kaum zu verstehen, da der frühere Fürther in diesen gerade einmal einen Treffer markierte. Aber immerhin durfte er spielen. Man hätte auch weitere Akteure des zweitschwächsten Sturms der Liga wählen können. Angelos Charisteas ist nur international erfolgreich. Isaac Boakye verbuchte ganze fünf Einsätze, entsprach dabei bei weitem nicht dem erforderlichen Niveau.

Buhmann
Erst nach dem 17. Spieltag zog der Club die Reißleine, entließ den Aufstiegstrainer. Michael Oenning erlaubte sich zu viele Fehler in der Kaderzusammenstellung, als er konsequent auf die Jugend setzte und dieses Ziel stur fortsetzte. Da das Team sich zum Abschluss der Vorrunde immer schlechter präsentierte, verlor man im Umfeld und an verantwortlicher Stelle die Geduld. Oennings Idee, die sicher auch den finanziellen Verhältnissen geschuldet war, ist sicher nicht falsch, nur war keine Verbesserung der einzelnen Spieler mehr erkennbar. Das Gegenteil war der Fall. Diekmeier und Co wurden immer unsicherer, so dass der Trainer angreifbar wurde.

Darum wird alles besser
Zu allererst wurde mit Dieter Hecking ein erfahrener Mann geholt, der den Spielern Zuversicht geben soll, das angestrebte Ziel Klassenerhalt erreichen zu können. Mit Andreas Ottl und Breno wurden zwei Talente von den Bayern losgeeist, die der Defensive mehr Qualität verleihen, wobei Breno sicherlich noch etwas Anlaufzeit benötigt und offenbar einige Pfunde zu viel aufweist. Ottl hingegen konnte in den Testspielen vollauf überzeugen auf der Position vor der Abwehr. Nicht nur die Sicherung des eigenen Aufbaus ist die Aufgabe des schussstarken Bayers, der auch für Kreativität im Aufbau sorgen soll. Mit zumindest einem weiteren Transfer ist zu rechnen, da mit Peer Kluge ein wichtiges Rädchen im Mittelfeld gegangen ist. Im Angriff will Hecking WM-Teilnehmer Angelos Charisteas neu aufbauen. Der Grieche hat ohne Frage seine Qualitäten, sollte in der Lage sein, bei Standards nicht nur für Aufregung zu sorgen, sondern auch wichtige Treffer markieren.

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Prognose
Wir trauen dem Club noch den Sprung auf Rang 15 zu. Dazu muss aber sehr vieles passen, was in der Hinrunde nicht gepasst hat. Heckings erste Aufgabe wird sein, das Spiel seiner neuen Mannschaft in der Deckung zu stabilisieren, damit diese weniger leichte Fehler begeht. Wenn dies gelingt und im Angriff nicht die alleinige Verantwortung auf Bunjaku lastet, wird der Club den direkten Abstieg verhindern und sogar der Relegation aus dem Weg gehen.

Uwe Toebe